Mittwoch, 7. Januar 2015

Gelesen: Die Flüsse von London, Ben Aaronovitch


Lang angekündigt, hier ist er nun - mein erster Post über ein Buch. Aber zuvor noch ein kleiner Ausflug ins Land von Mittwochs mag ich:


Wie schon öfters hier angeklungen, bin ich dieser Stadt wirklich erlegen. Wäre ich nicht Mama und Ehefrau mit Job und Wohneigentum, wir würden hier über Auswanderungspläne reden.
Gut, London ist teuer, London ist anonym und schnelllebig und die Briten sind schon recht zurückhaltend.
Aber seit ich 1998 meinen Fuss das erste Mal auf dieses Fleckchen Erde gesetzt habe, gehört ein Stückchen meines Herzens dort hin.
Verstärkt wurde das Ganze natürlich noch durch mein Praktikum, dass ich nach dem Studium über ein EU Projekt machen durfte. Das Praktikum an sich war eher bescheiden und hat mir ganz genau Nullkommanichts für meine Berufschancen gebracht, aber ich habe fast 3 Monate in dieser Stadt verbringen dürfen.
Es existiert sogar noch mein alter, absolut unbearbeiteter Blog aus dieser Zeit - wer also mal herzhaft lachen will kann sich gern unter http://lysistrata.myblog.de/ über die Erlebnisse einer 7 Jahre jüngeren Maria amüsieren. Ich tue es am heutigen Mittwoch selbst noch ;)

Trotz einer langen Pause zieht es mich immer wieder nach London - 1998, 2004, 2006, 2008, 2013, 2014 sind die Jahre an die ich mich erinnere, aber ich werde ja auch alt. Früher noch waren die Hauptgründe das Sightseeing - und das schafft man wirklich nicht in einer Woche. Mittlerweile fahre ich wegen

  • Theater und Musical ( letztes Jahr habe ich "The Crucible" mit Richard Armittage und "Richard III" mit Martin Freeman gesehen, für dieses Jahr konnte ich eine Karte für "Hamlet" mit Benedict Cumberbatch ergattern, das Shakespeare Globe ist immer eine tolle Erfahrung mit seinen Original Stücken, ich liebe Wicked und ja, wir haben auch schon Mal am roten Teppich einer Filmpremiere gestanden ;) )
  •  den absolut fantastischen Museen - British Museum, Imperial War Museum, Natural History Museum, Science Museum, Victoria & Albert Museum,das Tate... die sind wirklich unglaublich toll
  •  dank guter Kamera mittlerweile auch um zu fotografieren

 

 

  


  • Einkaufen - mein Gepäck ist typischerweise bei der Heimreise doppelt so schwer wie bei der Anreise - warum? Darum:


Tee und Bücher sind neben Klamotten die Hauptumschlagsgüter bei mir - da es mittlerweile auch Primeark und Co in Dresden gibt bleibt in Zukunft mehr Platz für Twinings Tee (am besten aus dem 1. Twinings Laden auf The Strand) und Bücher aus dem Bereich Fantasy oder wie hier - englisch sprachige Bücher über den 2. Weltkrieg und den Holocaust. Die Auswahl ist besonders im Bereich von Schicksalsgeschichten wesentlich größer und ich finde es total spannend den WKII aus der Sicht der Sieger zu lesen. Ich habe sogar ein Buch über die Bombardierung von Dresden - vielleicht sollte ich das bei Gelegenheit mal besprechen. Bücher kaufe ich am Liebsten im Waterstones auf der Gower Street - die haben eine fantastische Second Hand Abteilung und liegen zwischen zwei meiner liebsten Orte in London - der North Gower Street mit dem Speedy's Cafe und dem British Museum in der Great Russel Street.

Witzigerweise habe ich noch nie Stoff in London gekauft - na im September habe ich ja eine neue Chance  gefunden habe ich schon einen Blog mit einer Liste bei youandiheartdiy

Zurück zum Thema - es sollte dann langsam klar sein das ich London sehr mag und noch ewig referieren könnte - aber ich erspare euch Mal einen Sherlock, Dr. Who und Penny Dreadful Vortrag.

Ja - warum ich soweit aushole? Ganz einfach - mit dieser Vorgeschichte bin ich im November ganz unbedarft in den örtlichen Buchhandel gewandert und wollte für meinen Arbeitskollegen zum Geburtstag ein Buch kaufen. Er versorgt mich immer mit seinen ausgelesenen Exemplaren und da wir beide Fantasy mögen passt das sehr gut. Ich wollte also nur ein Buch für ihn kaufen - ein Exemplar eines meiner Lieblingsautoren sollte es werden - Terry Pratchett.
Jaja, lacht nur, ich weiss ja selbst es war blauäugig in einen 4-stöckigen Bücherladen zu gehen und zu denken da ohne Sonderkauf wieder heraus zu kommen...
In der Fantasyecke angekommen fiel mein Blick dann auf folgendes Buch


Fantasy und London - noch dazu der Autor einer der Dr. Who Schreiber? Ist klar wo das endete oder?

Die Fakten

Titel:   Die Flüsse von London
Autor: Ben Aaronovitch
Verlag: dtv
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum:  01.01.2012
Gelesen: 27.12. - 29.12.2014
Bewertung in meinem Buchtagebuch: 5/5

Meine Meinung

Peter Grant ist der Protagonist des Buches - Anfang 20, eingeborener Londoner, Kind einer eingewanderten afrikanischen Putzfrau und eines drogenabhängigen Jazzmusikers. Frisch gebackener Police Constable, der sich zu leicht ablenken lässt und über einen Zufall zum ersten Zauberlehrling Englands seit 50 Jahren wird.  Kann Geister sehen und Übernatürliches wahrnehmen. Findet das man den ganzen Tag wie ein riesen Marsriegel riecht, wenn man die Kakaobutter seiner Mutter zum Eincremen nimmt.  

Ich möchte nicht zu viel von der Handlung verraten. Man merkt das es das erste Buch in der Reihe ist - Aaronovitch sprudelt vor Ideen quasi über - Mutter und Vater Themse die im Clinch liegen, Vampire, Geister, die gruselige Haushälterin Molly, Gestaltwandler und Zauberei. Manche Dinge werden nur kurz angerissen, was den Handlungstrang aber nicht gefährdet. Peters neuer Vorgesetzter Nightingale ist gefühlte 200 Jahre alt, sieht aber aus wie 40. Seine Vorliebe ist es, sich mysteriös auszudrücken und Peter zu erklären, dass lerne er später - erst Mal kommt Latein dran. Aber er fährt einen Jaguar und Peter darf im Hauptquartier namens "Folly" wohnen und sich sogar eine Technik-Gruft einrichten, also ist das schon ok. Zauberstunden inklusive.
Die nähere Bekanntschaft mit Mutter Themse und ihren Töchtern lässt sich nicht vermeiden und Peters Kollegin Lesley spielt auch noch eine Rolle. Sie ist die Vorzeigepolizistin und wird durch Peter immer tiefer in den Schlamassel um amoklaufende Menschen gezogen.
Zu Guter letzt gibt es noch Toby, den Hund eines Mordopfers, den Peter adoptiert und der fortan als Maßeinheit für paranormale Aktivitäten herhalten darf - die Einheit Milliwuff ist erfunden.

Die ganze Story ist witzig mit viel Humor und Sarkasmus geschrieben. Das polizeiliche Datenbanksystem z.B. heisst HOLMES - Home Office Large Major Enquiry System. Es ist antiquiert und soll durch ein neues System ersetzt werden - leider ist noch keinem eine gute Bezeichnung eingefallen, die sich mit SHERLOCK abkürzen liesse ;)
Die Dienststelle, die eigentlich zu Peters Arbeitsplatz werden sollte ist die CPU - die Case Progression Unit - die Schreibtischtiger, die Daten eintippen - "Sie leisten einen wertvollen Beitrag" - gut das CPU nicht auch die Abkürzung für einen Prozessor ist.

Hauptorte der Handlung sind Covent Garden und Camden - für mich als Londonfan absolut genial, da ich wirklich überall schon ein Mal gewesen bin. Man merkt das Aaronovitch Londoner mit Leib und Seele ist und das er seine Stadt kennt. 

Insgesamt ein wirklich gutes und unterhaltsames Buch und die Tatsache das ich Band 2 - Schwarzer Mond über Soho  sofort bestellt habe, spricht für sich.


Fazit


Wer Terry Pratchet, Harry Potter und Dr.Who mag, der wird sehr viel Freude an diesem Buch haben. Aber auch nicht eingefleischte Fantasyleser kommen auf ihre Kosten, da die Welt nicht zu sehr von der Realität abweicht - nur die Art wie wir manche Dinge betrachten ändert sich ein wenig.